Marinos von Neapolis (* wohl um 440) war ein Philosoph des späten fünften Jahrhunderts (Neuplatoniker) und Leiter der neuplatonischen Philosophenschule von Athen.
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Marinos stammte aus der Stadt Sichem in der Region Samarien (Neapolis, heute Nablus in Palästina). Seine Familie gehörte der Religionsgemeinschaft der Samaritaner an, die in seiner Heimatstadt ihr religiöses Zentrum hatte.[1] Die Anhänger dieses Glaubens gehörten zum Volk Israel. In seiner Jugend geriet Marinos in einen Konflikt mit seinen Glaubensgenossen, denen er Neuerungen vorwarf; er vertrat also eine konservative Position.[2] Später (wohl um 460)[3] übersiedelte er nach Athen, wo damals zahlreiche Samaritaner lebten, und wandte sich vom samaritanischen Glauben ab. Er schloss sich der neuplatonischen Schule an, die sich in Athen seit ihrer Gründung (um 410) um eine Neubelebung der Tradition der Platonischen Akademie bemühte. Der Leiter dieser Schule war damals der berühmte Philosoph Proklos.
Marinos erwarb sich bald in der Schule ein hohes Ansehen. Proklos widmete ihm seinen Kommentar zum Mythos des Er in Platons Dialog Politeia und zog ihn als möglichen Nachfolger im Amt des Schulleiters in Betracht, zögerte jedoch wegen der schlechten Gesundheit des Marinos. Als Proklos 485 starb, trat Marinos die Nachfolge an.
Zu den Schülern des Marinos gehörten Isidoros, Damaskios und Agapios. Zwischen Marinos und Isidoros kam es zu Meinungsverschiedenheiten über einzelne Punkte der platonischen Lehre. Dennoch schätzte Marinos Isidoros und wünschte ihn als Nachfolger. Damaskios erhielt zwar von Marinos Unterricht in Geometrie und Arithmetik, hielt aber wenig von den Fähigkeiten seines Lehrers. Er meinte, Marinos habe sein Ansehen mehr seinem unermüdlichen Fleiss als seiner Begabung zu verdanken gehabt. Nach der Ansicht des Damaskios gelang es Marinos nicht, das hohe Niveau der Schule, das unter Proklos bestanden hatte, zu wahren. Die ungünstige Meinung, die Damaskios und sein Freund Isidoros von Marinos' Leistungen hatten, hing anscheinend mit philosophischen Meinungsverschiedenheiten zusammen.[4]
Da sich die athenischen Neuplatoniker damals weiterhin offen zur alten paganen Religion bekannten, befanden sie sich in einem andauernden Spannungsverhältnis zu ihrer christlichen Umgebung; die öffentliche Ausübung nichtchristlicher Kulte war damals bereits illegal. Hinzu kam eine Entfremdung zwischen Marinos und dem reichen Bürger Theagenes, der ein Wohltäter der neuplatonischen Schule gewesen war, sich aber später ? vermutlich unter christlichem Einfluss ? von ihr abwandte. Schließlich fühlte sich Marinos seines Lebens nicht mehr sicher, wohl wegen Drohungen der Christen, und floh nach Epidauros, von wo er nicht mehr zurückkehrte.
Marinos verfasste einen Kommentar zu den Data des Euklid; davon ist nur die Vorrede erhalten geblieben. Er schrieb auch einen langen Kommentar zu Platons Dialog Philebos, den er jedoch selbst verbrannte, nachdem Isidoros, den er um eine Stellungnahme gebeten hatte, das Werk kritisierte und die Meinung äußerte, der bereits vorhandene Philebos-Kommentar des Proklos sei ausreichend.[5] Auch der Kommentar des Marinos zu Platons Dialog Parmenides ist verloren. Erhalten geblieben ist hingegen sein Nachruf auf Proklos unter dem Titel Proklos oder Über das Glück. Dabei handelt es sich um eine Rede, die er am ersten Jahrestag von Proklos' Tod gehalten hatte. Sie ist eine wichtige Quelle für die Geschichte der neuplatonischen Schule in Athen. Marinos vertrat dort die Auffassung, Proklos sei unter den berühmten Männern der glücklichste seit langem gewesen, weil er sich in den Tugenden vervollkommnet habe. Außerdem schrieb Marinos eine Lebensbeschreibung des Proklos in Versen, die nicht erhalten ist.
Ferner sind in späteren philosophischen Werken und Scholien Ansichten überliefert, die Marinos über Stellen in Werken des Aristoteles (De anima, Analytica priora) geäußert hatte, sowie Bemerkungen von ihm zu Stellen im Almagest des Claudius Ptolemäus und im Almagest-Kommentar des Theon von Alexandria. Daraus lässt sich jedoch nicht mit Sicherheit folgern, dass Marinos schriftliche Kommentare zu diesen Werken hinterlassen hat; möglicherweise handelt es sich um Bezugnahmen auf mündliche Äußerungen, die er im Unterricht gemacht hatte.
| Personendaten | |
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| NAME | Marinos von Neapolis |
| KURZBESCHREIBUNG | griechischer Philosoph |
| GEBURTSORT | Neapolis (Sichem) |